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Lebende Bibliothek

Autor: Abteilung der Jugendarbeitsförderung

Titel: Lebende Bibliothek

Untertitel: Methodisches Instrument der Bildung von Jugend in Menschenrechten

Extrakt:

Eine lebende Bibliothek ist ein facilitiertes Treffen von jungen Leuten mit einzelnen Menschen, die in der Gesellschaft oft verschiedenen Vorurteilen ausgesetzt sind, oder ausgegliedert werden, vielmals auch deswegen, weil die mehrheitliche Gesellschaft keine Möglichkeit hat, diese Menschen näher kennen zu lernen. Im Falle von jungen Leuten geht es dabei auch um eine Übernahme von Handlungs- und Denkmustern ihrer Eltern. In der lebenden Bibliothek haben junge Menschen die Möglichkeit, konkrete Fragen zu stellen und sich die Meinungen des lebenden Buches auf seine (ihre) Situation und Lebenserfahrung anzuhören.

Info:

„Was für eine gute Idee!“

Gerade diesen Satz war oft von denen zu hören, die mit der Idee der Lebenden Bibliotheken zum ersten Mal konfrontiert wurden. Sogar nach mehreren Jahren der wandernden Idee des Lesens eines Lebenden Buches wird die Begeisterung von dieser Methode des Abbaus von Barriere nicht schwächer.

Worin ist also eine Lebende Bibliothek mit ihren lebenden Büchern einzigartig?

Stellen Sie sich vor, dass Sie ein Buch lesen, dass ein interessantes Titel und Inhalt hat, aber viele Sachen müssten Sie noch mit jemandem diskutieren, ergänzen, eventuell Ihre Meinung bestätigen. Hatten Sie jemals die Möglichkeit, sich mit dem Autor des Buches zu treffen und dies zu verwirklichen?

Ist Ihnen schon passiert, dass Sie eine interessante Lebensgeschichte eines Menschen kennen lernten und zu sich sagten: „Mit dieser Person würde ich mich gerne treffen und mehr über sie erfahren!“

In dem Fall ist auch für Sie Lebende Bibliothek – Methode des Abbaus von Vorurteilen und Stereotypen, kennen lernen von neuen Sichtweisen auf die Sachen um uns.

Lebende Bibliotheken funktionieren genau wie die klassische Bibliothek – die Leser kommen und borgen sich ein Buch für eine begrenzte Zeit aus. Nach dem Durchlesen stellen sie das Buch zurück auf seinen Platz in der Bibliothek und, wenn sie Lust haben, können sie sich ein weiteres Buch ausborgen.

Aber es gibt doch einen Unterschied – die Bücher in der Lebenden Bibliothek sind menschliche Wesen und sie kommen gemeinsam mit den Lesern selbst in Kontakt durch ein persönliches Dialog. Sie sind Repräsentanten von Gruppen, die am meisten mit bestimmten Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert sind. Oft sind sie selbst eine Opfer von Diskriminierung oder sozialer Ausgliederung. Ein Leser in einer solchen Bibliothek kann jeder sein, der vorbereitet ist, zu fragen, sich andere anzuhören und nachzudenken.

Die Bücher in der Lebenden Bibliothek können nicht nur über sich selbst sprechen, aber sie schaffen es auch, die Fragen der Leser zu beantworten und sie auszubilden. Besonders geeignet sind sie für die, die das Gefühl haben, dass ihre tief verankerten Vorstellungen und Problemlösungen sind wirklich die richtigen und dass es keine andere Lösung gibt.

Das innovative Projekt der Lebenden Bibliotheken ist ein Raum zur Schaffung eines konstruktiven Dialogs mit Menschen, die im gewöhnlichen Leben keine Gelegenheit haben, sich zu treffen und ein Bisschen zu plaudern. Das Ziel einer solchen Bibliothek ist daher, auf die Existenz (und die Unrechtfertigkeit) von vielen Vorurteilen und Stereotypen in der Gesellschaft, auf eine bestimmte Gruppe, oder Lebenssituation, die sie erleben, hinzuweisen.

Lebende Bibliotheken sind ein Instrument, das Leute näher bringt und die menschliche Würde und Individualität respektiert. Diese Regel gilt sowohl für die Leser, als auch für die Bücher und Organisatoren.

Wo kommen die Lebenden Bibliotheken her

Die Idee der Realisation von Lebenden Bibliotheken entstand in einer dänischen Nichtregierungsorganisation „Stopp der Gewalt“ als ein Teil der Aktivitäten, die die Organisation zur Selbstpräsentation während des Roskilde Festivals 2000 (das größte Musikfest in Dänemark) anbot.

Die erste Bibliothek war in enger Zusammenarbeit zwischen der Leitung des Festivals und der Organisation selbst realisiert und erhielt ein starkes Feedback.

Die positive Erfahrung gelang auch ins Blickfeld des Direktors des Jugendzentrums des Europarates in Budapest und eine Einigung mit den Organisatoren auf einem weiteren Versuch des Organisierens von Lebenden Bibliotheken an dem Festival Sziget 2001 in Budapest, dem Haupt- und bekanntesten Festival in Ungarn, kam zustande. Seitdem sind Lebende Bibliotheken jedes Jahr ein Bestandteil der Aktivitäten dieses Festivals und wurden zu einer beliebten Aktivität.

Die Bibliotheken, die während des Festivals in Sziget organisiert wurden zeigten, dass ähnliche Aktivitäten helfen, Barrieren zu überwinden und dass sie in verschiedenen Gruppen der Gesellschaft realisiert sein können. In den letzten Jahren wurde das Projekt der lebenden Bibliotheken zum Teil von vielen öffentlichen Veranstaltungen und Großfestivals im ganzen Europa.

Lebende Bibliotheken als Methode bieten den Leuten eine Möglichkeit an, privat und persönlich mit einem fremden Mensch zu sprechen und zwar in einem strukturierten, geschützten und absolut freien Raum – ohne jeglicher weiteren Verpflichtungen. Und gerade diese freie Struktur ist wahrscheinlich eines der Gründe, warum Lebende Bibliotheken so populär und im Ausland so oft organisiert sind.

Lebende Bibliotheken wurden zum Teil des Programms des Europarates „Jugendunterstützung der Menschenrechte und sozialer Kohäsion“ im Jahr 2003. Die grundlegende Philosophie des Programms lautete, dass Menschenrechte nicht nur in offiziellen Dokumenten formuliert sein müssen, sondern dass sie gleichzeitig von jedem Einzelnen geschützt und eingehalten werden müssen.

Wer ist wer in einer Lebenden Bibliothek

Die Lebenden Bibliotheken funktionieren in einer ähnlichen Weise wie die klassischen. In der Praxis heißt das, dass die Akteure Bücher, Leser, der Bibliothekar und Unterstützungspersonal (der die Veranstaltung von der Seite der Organisation her sicherstellt) sind.

Welche Regeln gelten für sie?

BÜCHER:

  • Müssen den Leser durch ihre Geschichte anziehen, sollten schon vorher wissen, über welchen Lebensabschnitt sie dem Leser erzählen wollen. Das Ziel ihrer Gespräche ist es, den Leser auf das Problem oder Thema der Lebenden Bibliothek aufmerksam zu machen.
  • Sollten dem Leser gegenüber offen sein und Fragen, die das Thema betreffen beantworten. Wenn sie das Gefühl haben, dass einige Fragen nicht mit dem Thema zusammenhängen und ihnen unangenehm sind, haben die Bücher das Recht, „GENUG“ zu sagen.
  • Eine der Voraussetzungen für die Position eines Lebenden Buches ist auch die Teilnahme an einer Schulung von Lebenden Büchern wo sich die Bücher selbst die Regeln und Voraussetzungen der Teilnahme auf der Aktivität festsetzen.

BIBLIOTHEKAR:

  • Der Bibliothekar ist der erste Kontakt des Lesers mit der Lebenden Bibliothek und dem Lebenden Buch und es hängt daher sehr viel von seinem Umgang, wie er den Leser zur Teilnahme an der Lebenden Bibliothek motiviert.
  • Erklärt dem Leser die Regeln der Bibliothek und kontrolliert zugleich ihre Einhaltung.
  • Richtet Aufmerksamkeit auf Geschichten der Bücher.
  • Nutzt freie Momente zur „Sammlung“ des Feedbacks der Bücher, aber auch der Leser.
  • Hat das Recht, in das Gespräch einzugreifen wenn dies in eine ungewünschte Richtung geht.
  • acht den Leser auf die Möglichkeit der Ausfüllung eines Fragebogens zur Endauswertung und auf die Möglichkeit, eine Notiz für ein konkretes Lebendes Buch hinterzulassen, aufmerksam.

UNTERSTÜTZUNGSPERSONAL:

  • Wirkt als ein Wörterbuch, da gerade Lebende Bibliotheken sehr oft ein Bestandteil von großen Festivals sind, wo auch Teilnahme von ausländischen Gästenangenommen wird. Im solchen Fall empfehlen wir diese Tatsache schon vorher zu antizipieren und sich darauf vorzubereiten.
  • Wirkt als ein Facilitator und Assistent des Bibliothekars, wenn dies notwendig ist.
  • Wirkt als ein Mediator im Bereich der Lebenden Bibliothek selbst und hilft den Lesern, sich zu orientieren.
  • Gleichzeitig kann er als ein Assistent der benachteiligten Lebenden Bücher tätig sein.

Jeder von ihnen ist eine eigenständige Individualität, aber sie müssen sich wechselweise ergänzen. Gerade davon hängt ab, welchen Endeffekt die Aktivität haben wird. Auf ihrer Personalität, Stellung, Gegenseitigkeit und Offenheit zu empfangen, aber auch den neuen Lesern neue Blickfelder zu geben.

Lebende Bibliothek als eine universale Methode des Kennen Lernens

Ein direkter Kontakt mit einem Lebenden Buch ist unschätzbar. Es ist eine unmittelbare Information, die der Mensch gewöhnlich nicht erfahren würde. Der Leser der Lebenden Bibliothek erwirbt ein neues Blickfeld auf jemanden, (oder etwas), auf dem (worauf) er schon eine bestimmte Meinung hat und er hat die Möglichkeit dieses mit der Realität zu konfrontieren. Die Einzigartigkeit dieser Methode beruht darin, dass sie in verschiedenen Themen, Bereichen und Zielgruppen benutzt werden kann.

Aktuell im Jahr 2009

Training neuer Lebenden Bücher und Bibliothekare

Lebende Bibliothek

Wo findet man Unterstützung für Aktivitäten im Bereich der Menschenrechte

Publikationen und Handbücher im Bereich der Menschenrechte


Kontakte:

Abteilung der Jugendarbeitsförderung

Mgr. Janette Maziniová - maziniova@iuventa.sk, 02/59296314


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